Deutscher Gewerkschaftsbund

04.09.2023

Bayern, Thüringen und Sachsen: DGB Drei Länder Treffen in Mödlareuth - Wanderung und Demokratiefest zum Tag der Deutschen Einheit

Tag der Deutschen Einheit

DGB/Ralf Hron

Der DGB aus Oberfranken, aus Thüringen und aus Südwestsachsen trafen sich am Tag der Einheit, um vom Dreiländerstein nach Mödlareuth zu wandern. "Lohnmauer einreißen" unsere Botschaft. Mit Mitgliedern der ehrenamtlichen DGB Kreisverbände setzten wir damit ein Zeichen für Demokratie. Die teils krassen unterschiedlichen Bedingungen, besonders der Einkommen, sind nicht mehr vertretbar. Auch haben die Krisen der vergangenen Jahre viele Menschen mürbe gemacht und die Auswirkungen waren in dem ehemaligen Grenzort heute ganz massiv spürbar. Neben den Demokraten und den vielen Vertreter*innen der Zivilgesellschaft, feierten die AFD einen Wahlkampffest. Den ganzen Tag wurde und wird von der AFD gehetzt. Das machte viele Teilnehmer+innen schon extrem nachdenklich.

Rund 50 Kolleginnen und Kollegen waren begeistert dabei. Die DGB Kreisvorsitzende vom Saale-Orla-Kreis Constanze Truschzinski spricht später zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Demokratiefest in Mödlareuth. Matthias Eckardt, der Regionsgeschäftsführer aus den DGB Regionen Oberfranken und Stephan Doll aus Nürnberg und Ralf Hron konnten von der Bühne zum Tag der Deutschen Einheit einige Gedanken mit den Versammelten teilen. Uns eint Alle die Sorge um den Zustand unserer gemeinschaftlichen Grundlagen.

 

Tag der Deutschen Einheit

DGB /Hron

In seinem Beitrag ging Ralf Hron auf den Feiertag ein: "Damals in der politischen Wendezeit wollten die Menschen: Offene Grenzen, persönliche Freiheit, Freie Presse, keine Abwertung anderer Menschen, Freilassung politischer Gefangener, Möglichkeiten zur freien Entfaltung, keine Gewalt und das wir endlich in zusammen kommen können. Das ließ letztlich - nach dem mutigen Protest Weniger und der massenhaften Ausreise Jugendlicher - die Mauern fallen und wir konnten Trennungen überwinden. Wir wollten nicht spalten, wir wollten keinen Rassismus, wir waren solidarisch.
Wir als Gewerkschaften arbeiten für Solidarität. Wir können es nicht oft genug sagen: Demokratie ist nicht selbstverständlich. Sie kann auch zerstört werden und damit die Grundlage für unsere Form zu leben. Mir ist auch klar: Wir müssen unsere sozialen Bedingungen und Startchancen für Alle verbessern. Die Unruhe bei vielen Menschen zeigt auch, dass sich Gerechtigkeitsfragen stellen. Die Bürgerinnen und Bürger verbinden mit Demokratie Sicherheit, auch Schutz im Wandel."


 

Tag der Deutschen Einheit

DGB Thüringen

Mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung genießen die Menschen in Ost und West noch immer nicht die gleichen Lebensverhältnisse. Das zeigt sich deutlich bei den Löhnen der Beschäftigten: Hier gelingt es seit Jahren nicht, die Lohnlücke zu schließen. Das Durchschnittsgehalt liegt derzeit im Landkreis Hof mit 3.165 Euro ca. 500 Euro höher als im angrenzenden Saale-Orla-Kreis mit rund 2.700 Euro und dem Vogtlandkreis mit ebenfalls rund 2.700 Euro. Die Unterschiede setzen sich naturgemäß bei den Renten fort. „Das ist schlicht inakzeptabel“, sagt Mathias Eckardt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Der Regionsgeschäftsführer für Oberfranken und seine Kollegen Ralf Hron von der DGB-Region Südwestsachsen und Renate Licht von der DGB-Region Thüringen laden deshalb unter dem Motto „Lohnmauer einreißen“ zu einem Treffen der Gewerkschafter aus den drei Ländern ein.

Stattfinden wird es am Dienstag, 3. Oktober, um 10.30 Uhr am Drei-Freistaaten-Stein zwischen Gefell, Feilitzsch und Weischlitz. Hier kommen Mitglieder und Mitstreiter der DGB-Kreisverbände Hochfranken, Lichtenfels, Saale-Orla-Kreis und Vogtlandkreis sowie dem Kreis Saalfeld-Rudolstadt zusammen. Sie fordern „Gute Arbeit – Gute Löhne – Gutes Leben mit Tarif und überall“. Gemeinsam wandern sie nach Mödlareuth, wo um 12 Uhr das Fest „Mödlareuth grenzenlos bunt“ beginnt. Zu den Veranstaltern zählt auch der DGB-Kreisverband Saale-Orla-Kreis. Dessen Vorsitzende Constanze Truschzinski erklärt: „Gute Lebensbedingungen sind die Grundlage dafür, dass sich Menschen eben nicht den Extremen zuwenden.“ Dazu ergänzt Gewerkschaftssekretärin Monika Sossna: „Dazu gehört auch die wirtschaftliche Gerechtigkeit; es kann nicht sein, dass Frauen weniger verdienen als Männer und Menschen im Osten insgesamt weniger als im Westen.“ Schließlich lebten und arbeiteten in ganz Deutschland Menschen mit hervorragender Qualifikation, Fleiß und Sorgfalt.

Besonders deutlich sei der Unterschied hier, an der Nahtstelle der drei Bundesländer. Für Gewerkschaftssekretärin Katja Eberhardt von der DGB-Region Südwestsachsen ist es völlig unverständlich, warum 10 Kilometer Luftlinie einen finanziellen Unterschied von durchschnittlich 500 Euro ausmachen sollten. „Die Arbeit ist auf der einen Seite ja nicht schwerer als auf der anderen.“ Dafür stehe auch die Tatsache, dass die Lohnunterschiede in Thüringen und Sachsen dort kleiner sind, wo es Tarifverträge gibt. Neben höheren Entgelten haben Beschäftigte, die unter einen Tarifvertrag fallen u.a. durchschnittlich mehr Urlaub und müssen weniger Mehrarbeit leisten. Das zeige, welche besondere Bedeutung Tarifverträge und Betriebsräte für Beschäftigte haben. 844 Euro brutto mehr, jeden Monat: Das bekommen Beschäftigte im Schnitt, wenn sie in einem Betrieb mit Tarifvertrag arbeiten.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten ging die Tarifbindung allerdings bundesweit zurück: Laut dem aktuellem Betriebspanel des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) profitierten im Jahr 2022 bundesweit nur noch 51 Prozent der Beschäftigten von einem Tarifvertrag – 52 Prozent der Beschäftigten in Westdeutschland, und 45 Prozent der Beschäftigten in Ostdeutschland. Nach einer stabilen Phase in den Jahren 2020 und 2021 ging die Tarifbindung somit im Jahr 2022 weiter zurück (IAB-Betriebspanel, Juli 2023). Nur in einem Viertel aller Betriebe gibt es überhaupt einen Tarifvertrag. „Das müssen wir gemeinsam ändern“, findet die oberfränkische Gewerkschaftssekretärin Tamara Pohl. Das Treffen in Mödlareuth sein ein starkes Signal: „Wir feiern die Wiedervereinigung; wir zeigen Gesicht für ein friedliches, demokratisches und solidarisches Miteinander; und wir fordern gleichen Lohn für gleiche Arbeit.“


 

Auch der DGB Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt beteiligte sich an der Aktion am 03.10.2023 in Mödlareuth. Hier finden Sie die Pressemitteilung dazu.


 

Tag der Deutschen Einheit

Bündnis Grenzenlos bung

Pressemeldung zum Tag der Deutschen Einheit in Mödlareuth


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