Deutscher Gewerkschaftsbund

26.03.2014

Thüringen legt Qualitätsstandards für Anwerbung ausländischer Fachkräfte fest

Breites Bündnis für Willkommenskultur und Zuwanderung / Gemeinsame Erklärung unterzeichnet

Politik, Wirtschaft, Verbände und die Arbeitsverwaltung in Thüringen haben heute eine „Gemeinsame Erklärung“ zur Zuwanderung von ausländischen Fach- und Arbeitskräften in den Freistaat vereinbart. Die Erklärung enthält das grundsätzliche Bekenntnis für eine neue Willkommenskultur und definiert Kriterien und Standards, die bei der Anwerbung und Vermittlung von Zuwanderern berücksichtigt werden sollen.

Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehören neben dem Wirtschafts- und Sozialministerium die Thüringer Handwerks- und die Industrie- und Handelskammern, der DGB Hessen-Thüringen, der Verband der Wirtschaft Thüringen (VWT), die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen der Bundesagentur für Arbeit (BA), die Liga der Freien Wohlfahrtspflege, der DEHOGA Thüringen und die LEG Thüringen. „Die Gemeinsame Erklärung ist ein Leitfaden und zugleich eine Art Gütesiegel für Unternehmen und Einrichtungen, die Mitarbeiter aus dem Ausland anwerben wollen“, sagte Thüringens Wirtschafts- und Arbeitsminister Uwe Höhn heute in Erfurt.

Die Erklärung ist auch vor dem Hintergrund von Erfahrungen mit den im letzten Jahr in Thüringen „gestrandeten“ 128 Spanierinnen und Spaniern entstanden. Diese waren aufgrund der unkoordinierten Aktivitäten einer privaten Arbeitsvermittlung zunächst ohne konkrete Ausbildungs- oder Arbeitsplätze geblieben, konnten am Ende aber durch gemeinsame Bemühungen vieler Akteure im Freistaat vermittelt werden. Er hoffe, dass viele Thüringer Arbeitsvermittler, Unternehmen und Einrichtungen sich künftig an der „Gemeinsamen Erklärung“ orientieren oder dieser beitreten werden, sagte Minister Höhn.

Die „Gemeinsame Erklärung“ finden Sie im Anhang. Nachfolgend finden Sie zudem kurze Statements und Zitate der Erstunterzeichner.

Dieter Bauhaus, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der Thüringer IHKs: „Die Zuwanderung von Arbeitskräften und Auszubildenden ist zukünftig ein fester Bestandteil der Strategien zur Fachkräftesicherung in Thüringen. Mit den vereinbarten Qualitätskriterien und -standards erreichen wir eine neue Ebene. Die Forderung der Wirtschaft, den Prozessablauf für alle Akteure transparent und verbindlich zu gestalten, ist damit erfüllt. Der Freistaat Thüringen setzt hier bundesweit einen neuen Maßstab zur Akquisition von Menschen aus anderen Nationen.“

Hartmut Koch, Präsident des Verbands der Wirtschaft Thüringen (VWT): „Es ist den Thüringer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden ein Bedürfnis dazu beizutragen, dass sich ausländische Mitbürger in diesem Bundesland wohl fühlen. Laut aktueller Umfrage der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Thüringens geben 60 Prozent der Befragten an, um wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht die Thüringer Wirtschaft in den kommenden Jahren ausländische Fachkräfte. Die Unternehmen wollen gut ausgebildete und motivierte Arbeitskräfte dauerhaft in das Arbeitsleben integrieren. Es ist ihnen auch daran gelegen, dass diese Menschen eine zweite Heimat in Thüringen finden. Dazu bedarf es langfristiger und kooperativer Zusammenarbeit mit allen Beteiligten sowie einer offenen, schnellen Kommunikationskultur. Der VWT unterstützt die Qualitätsstandards in jeder Hinsicht  und wird sie in den Thüringer Unternehmen intensiv bekannt machen.“

Bruno Heller, Vorsitzender der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen: „Ausländische Arbeitskräfte sind ein Teil der Lösung des Fachkräftebedarfs. Aber wir brauchen sie. Wir brauchen sie als Arbeitskräfte aber auch als Bereicherung unseres Gemeinwesens. Insofern müssen wir alles tun, um sie sozial und kulturell zu integrieren. Nur so bleiben sie auch.“

Petra Heß, Ausländerbeauftragte des Freistaats Thüringen: „Als Ausländerbeauftragte nutze ich mein Amt, um für Teilhabe, Gleichberechtigung und faire Chancen in Thüringen zu streiten – auch auf dem Arbeitsmarkt. Ich bin froh, dass Politik mit dieser Erklärung die richtigen Standards dafür festlegt. Die Menschen, die zu uns kommen, dürfen keine Angst vor dem Verschiedensein haben, sondern sind eine willkommene Bereicherung in unserem Bundesland.“

Frank Krätzschmar, Geschäftsführer der LEG Thüringen: „Jüngst hat unser ‚Welcome Center‘ bei der Betreuung der 128 jungen spanischen Fachkräfte mit großem Einsatz dazu beigetragen, dass die meisten dieser jungen Menschen in Thüringen bleiben werden. Die Geschehnisse rund um die spanischen Zuwanderer haben gezeigt, wie wichtig Qualitätsstandards bei der Anwerbung von ausländischen Fachkräften sind. Wir freuen uns, künftig auf der Basis der neuen Vereinbarung mit unseren Partnern die Willkommenskultur im Freistaat mit Leben zu erfüllen.“

Stefan Lobenstein, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Thüringer Handwerkskammern: „Unsere Handwerksbetriebe werden künftig stärker als bisher im europäischen Ausland Lehrlinge und Fachkräfte suchen. Da sie überwiegend nicht die Möglichkeit haben, selbst direkt im Ausland aktiv zu werden, sind sie darauf angewiesen, dass sich alle Partner an Standards halten, dass die Organisation funktioniert und vor allem auch die Lehrlinge und Fachkräfte bereits in ihren Heimatländern auf ihre Ausbildung oder Arbeit in Deutschland gut vorbereitet werden. Uns ist wichtig, dass die Thüringer Willkommenskultur durch die Qualitätsstandards bereits im Ausland beginnt.“

Kay Senius, Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt und Thüringen:  „Für die wirtschaftliche Weiterentwicklung im Land brauchen wir auch ausländische Mitbürger. Sie helfen uns als Fachkräfte und bereichern unser Land. Wer Zuwanderung will, der muss den Menschen aber auch faire Konditionen bieten. Sie geben Migrantinnen und Migranten in Thüringen realistische Perspektiven, die sie für eine nachhaltige berufliche und soziale Integration brauchen. Für den Anwerbeprozess sind daher klare Qualitätskriterien wichtig. Sie sollten für alle Thüringer Unternehmen, die Fachkräfte aus anderen Ländern anwerben wollen, verbindlichen Charakter entfalten. Nur so  kann Zuwanderung einen positiven Beitrag in Wirtschaft und Gesellschaft leisten.“

Sandro Witt, stellvertretender Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen: „Es gibt noch viel zu tun, um in Thüringen eine Willkommenskultur zu etablieren, die den Menschen und seine Ziele in den Mittelpunkt stellt. Wir freuen uns über alle, die zu uns kommen und bei uns leben und arbeiten wollen. Wir brauchen sie. Willkommensbekenntnisse allein reichen jedoch nicht. Es müssen auch die richtigen Bedingungen dafür geschaffen werden, damit die Ankommenden sich zurecht finden können. Dazu gehören gute Arbeitsbedingungen ebenso wie zahlreiche Beratungs- und Unterstützungsangebote.“


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