Deutscher Gewerkschaftsbund

04.04.2018

Interview mit Julian Schwark, Landratskandidat im Weimarer Land und engagiertem Gewerkschafter (SPD)

Torsten Lerche: Ich glaube wir können uns duzen, du bist doch auch Mitglied in einer Gewerkschaft?

Schwark: Ja klar, ich bin sogar Mitglied in zwei Gewerkschaften, zum Einen im ZDS, der Gewerkschaft für Schornsteinfeger, und zum Anderen in der IG BAU.

Lerche: Du hast einen Doktor-Titel, bist also ein „Doktor Schornsteinfeger“?

Schwark: So kann man das sagen.

Lerche: Wie kam es dazu?

Schwark: Einmal hatte ich nach meiner Meisterprüfung das Gefühl, noch mehr machen zu wollen. Ich hatte keinen ganz einfachen Start ins Berufsleben. Nach der Hauptschule wollte ich ins Handwerk und stand erst einmal vor verschlossenen Türen. Dass ich dann am Ende doch eine Lehrstelle gefunden habe, war ein Riesenglück. Ich war so froh darüber, dass ich ab diesem Zeitpunkt nichts mehr habe anbrennen lassen. Meine Lehre habe ich als einer der Besten abgeschlossen, und war mit 21 Jahren einer der jüngsten Handwerksmeister Deutschlands. Irgendwie war es also klar, dass ich weitermache. Außerdem interessiere ich mich für Technik und konnte als Meister Energie- und Umweltverfahrenstechnik an der FH Gießen studieren und am Ende war ich Dr.-Ing.

Lerche: Der akademische Titel war dir also nicht gerade in die Wiege gelegt?

Schwark: Nein, ich komme aus einem ganz normalen Elternhaus, mein ist Vater Polizist, meine Mutter Friseurin. Der Start an der Hochschule war mehr als schwierig. Dass ich mit Hauptschulabschluss und Handwerksmeisterbrief ein technisches Studium beginnen wollte, hat nicht jedem gefallen. Viele haben mich schon abgeschrieben, bevor ich überhaupt angefangen hatte. Am lebhaftesten in Erinnerung geblieben ist mir der Satz eines Mathematik-Professors: „Wir wissen doch beide, dass es keinen Sinn macht, dass sie hier sind“. Am Ende hatte ich den Abschluss vorzeitig mit der Note 1,2 in der Tasche. Wahrscheinlich ist mir die Ausbildung junger Leute deshalb so wichtig, dafür engagiere ich mich ja auch als Gewerkschafter, besonders als Leiter der Abteilung Technik/Bildung im ZDS und als Vorsitzender der Handwerksschule. Ich habe erfahren, wie viel dabei herauskommen kann, wenn man jemandem eine Chance gibt. Mein Fazit: Jeder kann alles werden, man muss nur fleißig sein!

Lerche: Danke für das Stichwort Gewerkschaft. Wann und wie bist Du auf Deinem Weg zur Gewerkschaft gekommen?

Schwark: Ich bin seit 2003 Mitglied im ZDS und seit 2006 in der IG BAU. Und ich muss zugeben, dass ich zuerst überhaupt nicht eintreten wollte. „Die wollen doch nur mein Geld“, habe ich gedacht. Dann habe ich aber gesehen, wie die Gewerkschafter ihre Sache gemeinsam mit viel Engagement und Idealismus vertreten haben – das fand ich toll. Aus meiner Zeit als Schulsprecher und „Anti-Nazi-Aktivist“ kannte ich diese Solidarität nicht. Wenn es da hart auf hart kam, stand man häufig alleine da. Das hat mich also gewaltig beeindruckt, zu sehen, wie stark man gemeinsam sein kann. Und wie wichtig Solidarität ist. Ohne die Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung z. B. hätte ich große Probleme gehabt, zu studieren. Und heute gibt mir die Gewerkschaft die Möglichkeit, anderen zu helfen.

Lerche: Heute arbeitest Du also in Erfurt, beim ZDS, lebst aber im Weimarer Land?

Schwark: Richtig, in Thangelstedt, das ist ein kleines Dorf in der Nähe von Blankenhain. Meine Frau, meine zwei Kinder und ich haben uns dort ein Haus gekauft und genießen die Ruhe, die wunderschöne Gegend und das Dorfleben.

Lerche: Wie kommt es, dass Du jetzt als Landrat kandidierst?

Schwark: Das haben wir in der SPD gemeinsam beschlossen. Ich bin Mitglied im Ortsverein Südliches Ilmtal, für den ich auch die Finanzen verwalte. Ich bin überzeugt, dass ich viel für das Weimarer Land, meine Wahlheimat, erreichen kann, und das sehen die Genossinnen und Genossen genauso.

Lerche: Welche Schwerpunkte setzt Du im Wahlkampf, was können wir von einem Landrat Julian Schwark erwarten?

Schwark: Wir haben in der SPD ein gutes Programm für diese Wahl zu entwickelt. Es gibt ja im Weimarer Land viel, worauf man aufbauen kann. Umso mehr müssen wir jetzt die wichtigen Zukunftsthemen anpacken. Dazu gehört, dass wir uns für die Jugend einsetzen. Wir wollen den Investitionsstau in der Schulsanierung abbauen und gerade in den Schulen rasch eine moderne Breitbandversorgung erreichen. Digitale Bildung ist aber viel mehr als Kabel legen: Wir planen unterrichtsergänzende Angebote und wollen Schulen und Wirtschaft stärker miteinander ins Gespräch bringen. Auch das Thema Azubi-Ticket liegt mir am Herzen, und mit einer Speedbus-Linie zwischen Apolda und Jena wollen wir Studierenden dafür interessieren, sich bei uns im Weimarer Land niederzulassen. Und wir wollen die Jugend frühzeitig und aktiv für Politik begeistern, mit der Einrichtung eines Jugendkreistags.

Lerche: Welche Rolle spielt Digitalisierung für dich?

Schwark: Da ist zuerst der Breitbandausbau, wir müssen alle Chancen nutzen, um den Landkreis so schnell wie möglich flächendeckend zu versorgen. Aber darüber hinaus brauchen gerade die kleinen und mittleren Betriebe oft fachliche Unterstützung, um angesichts des rasanten Fortschritts den Anschluss nicht zu verlieren. Dafür kann ein Landrat, dafür können Politik und Verwaltung, sehr viel tun. Und natürlich ist die Fachkräftesicherung ein Riesenthema für die Wirtschaft – mit dem wir am Ende wieder bei der Bildung herauskommen, und das heißt auch berufliche Weiterbildung.

Lerche: Du siehst also mehr Chancen als Risiken für die Arbeitswelt?

Schwark: Wenn wir die Sache richtig anpacken, ja. Wir mit der Digitalisierung können höherwertige Arbeitsplätze entstehen – zum Nutzen sowohl der Unternehmen als auch der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ihr habt beim DGB sehr gute Ansätze entwickelt, wie zukunftsfähige Lösungen aussehen können. Ich frage als Landrat: Was kann ich tun, um optimale Qualifizierungsmöglichkeiten im Weimarer Land zu fördern? Was brauchen die Unternehmen der Region, um flexiblere Arbeitszeitmodelle zu entwickeln – von denen beide etwas haben, Arbeitgeber und Arbeitnehmer? Wie gut entwickelt sich der Datenschutz, sind unsere Unternehmen auf der Höhe der Zeit und wahren sie die Rechte ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Lerche: Das sind die großen Fragen nach der Arbeit der Zukunft …

Schwark: Richtig, und mir ist bewusst, dass die Rahmenbedingungen nicht in Apolda gesetzt werden. Aber wir können auf regionaler Ebene sehr viel mehr als bislang tun. Es hat doch keinen Sinn, die Verantwortung immer nur bei der nächsthöheren Ebene zu suchen, wie das im Moment geschieht. Wir müssen selbst mehr tun, um das Leben im Weimarer Land zu gestalten.


Nach oben