Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 47/14 - 13.01.2015

Jedes fünfte Kind wächst im Unstrut-Hainich-Kreis in Armut auf

DGB-Kreisverbandsvorsitzende Maria Funke fordert Aktionsprogramm für arme Familien

„Die Armut von Kindern wird in Deutschland oft beklagt, aber wenn es darum geht, sie zu bekämpfen, dann wird viel zu wenig getan, beklagt Maria Funke, Vorsitzende des DGB-Kreisverbands Unstrut-Hainich. „Gerade in der Weihnachtszeit wurden viele mitfühlende Worte gemacht, stattdessen müssten Taten folgen.“

 Im Unstrut-Hainich-Kreis lebten im August 2.752 Kinder unter 15 Jahren von Hartz-IV und damit in Armut. Dies sind 21,1 Prozent aller im Landkreis lebenden unter 15jährigen bzw. mehr als ein Fünftel aller Kinder. Damit ist die Hartz-IV-Armut unter Kindern fast doppelt so stark verbreitet wie bei Menschen im Erwerbsalter. Von den erwerbsfähigen Personen sind im Landkreis nämlich „nur“ elf Prozent auf Hartz-IV angewiesen.

Das Niveau der Kinderarmut bleibt hoch. Nach zehn Jahren Hartz-IV ist die Anzahl der betroffenen Kinder im Unstrut-Hainich-Kreis nur leicht gesunken. Nachdem bei Einführung von Hartz-IV 2005 2.983 Kinder im Hilfebezug waren, stieg ihre Zahl auf bis zu 3.629 (März 2007) stark an und sank anschließend wieder ab. 

Besonders kritisch ist, dass Kinder meist längerfristig auf Hartz-IV-Niveau leben müssen. Die Armutsforschung zeigt deutlich, dass gerade längere Lebensphasen in Armut bei Kindern deren berufliche und persönliche Chancen im gesamten Leben nachhaltig schädigen.

Deshalb fordert der DGB ein Aktionsprogramm gegen Kinder- und Familienarmut. Der Bund sollte die Hälfte seiner Mehreinnahmen infolge der Einführung des Mindestlohns für diesen Zweck aufwenden. Das Aktionsprogramm soll von lokalen Netzwerken, bestehend aus Kommunen, Sozialpartnern, Wohlfahrtspflege und Vereinen, umgesetzt werden. Ziel ist, dass kein Kind in einer Familie aufwächst, in der beide Eltern dauerhaft keiner Erwerbstätigkeit nachgehen können, ihre Arbeit nicht zur Existenzsicherung reicht oder sie in Maßnahmenschleifen hängen. Alleinerziehenden muss zumindest eine sozialversicherte Teilzeitarbeit ermöglicht werden.

 „Niemand darf gezwungen sein, Hartz IV zum dauerhaften ‚Lebensstil´ zu machen oder gar zu vererben. Die Leistungen nach dem SGB II müssen endlich zu dem werden, was ursprünglich politisch intendiert war: Hilfestellungen aus einer Hand zur Überwindung einer vorüber-gehenden Notlage“, so Maria Funke für den DGB-Kreisverband Unstrut-Hainich.

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