Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 43/14 - 12.01.2015

Fast jedes fünfte Kind wächst in Gotha in Armut auf

DGB-Kreisverbandsvorsitzender Olaf Kämpfer fordert Aktionsprogramm für arme Familien

Fast jedes fünfte Kind wächst in Gotha in Armut auf –

DGB-Kreisverbandsvorsitzender Olaf Kämpfer fordert Aktionsprogramm für arme Familien

„Die Armut von Kindern wird in Deutschland oft beklagt, aber es wird viel zu wenig getan, um Kinderarmut zu beenden und damit mehr Gerechtigkeit zu herzustellen“, erklärt Olaf Kämpfer, Vorsitzender des DGB Gotha.

Im Kreis Gotha lebten im August 2.929 Kinder unter 15 Jahren von Hartz-IV und damit in Armut. Dies sind 17,8 Prozent der im Landkreis lebenden unter 15jährigen, also nahezu ein Fünftel aller Kinder. Damit ist die Hartz-IV-Armut unter Kindern mehr als doppelt so stark verbreitet wie bei Menschen im Erwerbsalter. Von den erwerbsfähigen Personen sind im Landkreis nämlich „nur“ 8,7 Prozent auf Hartz-IV angewiesen.

Zehn Jahre nach der Einführung von Hartz-IV ist die Zahl der armen Kinder im Kreis Gotha anhaltend hoch. Während bei der Einführung 2005 3.402 Kinder im Hilfebezug waren, stieg ihre Zahl auf bis zu 4.197 (Februar 2007) an und sank anschließend langsam wieder ab. (siehe Graphik)

Besonders kritisch ist, dass Kinder meist längerfristig auf Hartz-IV-Niveau leben müssen. Die Armutsforschung zeigt deutlich, dass gerade längere Lebensphasen in Armut bei Kindern deren berufliche und persönliche Chancen im gesamten Leben nachhaltig verringern. In einer einkommensarmen Familie aufzuwachsen, gefährdet die Zukunft der betroffenen Kinder und benachteiligt sie.

Deshalb fordert der DGB ein Aktionsprogramm gegen Kinder- und Familienarmut. Der Bund sollte die Hälfte seiner Mehreinnahmen infolge der Einführung des Mindestlohns für diesen Zweck aufwenden. Das Aktionsprogramm soll von lokalen Netzwerken, bestehend aus Kommunen, Sozialpartnern, Wohlfahrtsverbänden und Vereinen, umgesetzt werden. Ziel ist, dass kein Kind in einer Familie aufwächst, in der beide Elternteile dauerhaft keine Erwerbstätigkeit finden, in Maßnahmenschleifen hängen oder das Einkommen nicht zur Existenzsicherung reicht. Alleinerziehenden muss zumindest eine sozialversicherte Teilzeitarbeit ermöglicht werden.

„Niemand darf gezwungen sein, Hartz IV zum dauerhaften ‚Lebensstil´ zu machen oder gar zu vererben. Die Leistungen nach dem SGB II müssen endlich zu dem werden, was ursprünglich intendiert war: Hilfestellungen aus einer Hand zur Überwindung einer vorübergehenden Notlage“, erklärt Olaf Kämpfer abschließend.

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