Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 108/12 - 28.11.2011

Neue DGB-Statistik enthüllt: Viele Vollzeitbeschäftigte im Landkreis Schmalkalden - Meiningen erhalten nur Niedriglohn

7.808 Vollzeitkräfte im Landkreis verdienen miserabel. Sie arbeiteten nach einer aktuellen Erhebung des DGB für einen Niedriglohn. Im Jahr 2010 waren dies bereits 24,8 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten. Auszubildende nicht einmal mitgezählt. Auch qualifizierte Arbeitskräfte in Schmalkalden - Meiningen erhalten oftmals nur einen mickrigen Lohn.

Erstmals legt der DGB regionale Daten zum Niedriglohnsektor vor. Konkret lag die Niedriglohnschwelle 2010 in allen ostdeutschen Ländern bei einem Monatsbrutto von 1.379 Euro. Im Landkreis rutschen Vollzeitbeschäftigte noch weit häufiger in den Niedriglohnsektor als in den neuen Bundesländern insgesamt. Dies gilt für Vollzeitbeschäftigte ohne Berufsabschluss ebenso wie für jene mit Ausbildung. So zählten in unserer Region bereits 23,9 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten mit Berufsabschluss zu den Niedrigverdienern.  Bundesweit waren es demgegenüber 19,1 Prozent der Erwerbstätigen in Vollzeit und mit Ausbildung. Auch qualifizierte Beschäftigte bekommen den Druck auf das Lohngefüge zu spüren.

Dieses überdurchschnittlich hohe Niedriglohnrisiko von qualifizierten Arbeitskräften passt nicht zu den Klagen von Arbeitgebern über Fachkräftemangel, heißt es in der Auswertung des DGB Schmalkalden - Meiningen. Dies sei vielmehr ein Indiz dafür, dass Beschäftigte teils im erlernten Beruf keinen Job finden oder nicht qualifikationsgerecht vergütet werden. Trotz Berufsabschluss stecken sie oftmals in Jobs für Un- oder Angelernte. Je länger diese Situation andauere, desto weniger wert sei die erworbene Qualifikation.

Noch weit miserabler sei die Entlohnung für viele ohne Berufsabschluss. Fast 37 Prozent der Geringqualifizierten im Landkreis zählen nach der DGB-Auswertung zugleich zu den Geringverdienern. Das Risiko, als Vollzeitbeschäftigte/r einen Niedriglohn zu erhalten, ist für Beschäftigte ohne Berufsabschluss fast doppelt so hoch wie für Qualifizierte.

Insbesondere im Dienstleistungsgewerbe sei das Risiko einer schlechten Bezahlung für Qualifizierte wie Beschäftigte ohne Berufsabschluss überdurchschnittlich hoch. Nach Einschätzung des DGB Schmalkalden - Meiningen haben Menschen, die wenig verdienen, oftmals auch ein instabiles Arbeitsverhältnis und ein hohes Entlassungsrisiko.

Die beruflichen Aufstiegschancen für Niedriglohnverdiener seien hingegen ungünstiger als in vielen anderen Industrieländern. Wer behaupte, Niedriglöhne seien Einstiegslöhne, der liege falsch. Die Chancen, in besser bezahlte Jobs aufzusteigen, seien hierzulande relativ gering. Viel häufiger als der Einstieg in besser bezahlte Tätigkeiten, ist eine Verfestigung der Niedriglohnfalle, warnt der DGB.

Der hohe Niedriglohnsektor im Landkreis ist nach Einschätzung des DGB auch eine Zeitbombe für künftige Altersarmut. Wer über einen längeren Zeitraum wenig verdient, wird künftig verstärkt von Altersarmut bedroht sein. Hinzu kommt, dass private Altersrücklagen bei niedrigem Einkommen so selten sind, dass das soziale Problem der Altersarmut dadurch kaum gemindert werden kann.

Für die Erhebung hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die auch von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verwendete Definition über Niedriglöhne zugrunde gelegt. Danach zählt zu den Geringverdienern, wer in seinem Land auf weniger als zwei Drittel des mittleren (durchschnittlichen) Lohns kommt. Wegen des immer noch deutlichen Lohngefälles zwischen Ost und West wurde nicht die bundesweite Niedriglohnschwelle, sondern eine differenzierte für West und Ost zugrunde gelegt. Danach lag die Niedriglohnschwelle 2010 in den alten Ländern bei 1.890 Euro brutto im Monat und in den neuen Bundesländern bei 1.379 Euro. Ausgewertet wurden die Meldungen für die Sozialversicherungen, die die Arbeitgeber im Landkreis vornehmen. In Schmalkalden - Meiningen allein wurden die Meldungen für 31.485 Vollzeitbeschäftigte mit sozialversichertem Job einbezogen, für die alten Bundesländer rd. 16,6 Mio. und für die neuen Bundesländer gut  3,9 Mio. Meldungen.

Vollzeitbeschäftigte i. v. H.  – ohne Auszubildende – mit Niedriglohn 2010 (neue Bundesländer)


Vollzeitbeschäftigte

Schmalkalden - Meiningen

(1.379 €)

neue Bundesländer

(1.379 €)

mit Berufsausbildung

23,9

19,2

ohne Berufsausbildung

36,7

36,4

Fach- und Hochschulabschluss

4,6

3,7

 

 

 

Niedriglohnrisiko insgesamt

24,8

21,1

Arbeitgeber-Meldungen insg.

31.485

3,9 Mio.

Quelle: DGB-Berechnungen nach BA-Entgeltstatistik für 2010


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