Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 14/16 - 02.08.2016

DGB-Jugend: Mehr Geld statt gebrauchte Socken!

Studentische Beschäftigte in Thüringen brauchen einen Tarifvertrag.

Hauselfen wie Dobby aus der Welt von Harry Potter gibt es auch in der wirklichen Welt – an unseren Hochschulen. Sie verrichten nahezu unsichtbar ihre Arbeit, sie recherchieren, bereiten vor, kopieren, telefonieren, organisieren – ohne studentische Beschäftigte würde der Hochschulbetrieb zusammenbrechen. Und obwohl ihr Beitrag zum Funktionieren unserer Hochschulen so immens wichtig ist, wird diese Leistung kaum honoriert.

Denn die Anstellung von studentischen Beschäftigten an den Hochschulen ist unsicher – oft gibt es nur kurze Vertragslaufzeiten – manchmal nur wenige Wochen, schlecht bezahlt – in Berlin bekommen studentische Hilfskräfte beispielsweise 2,50 € mehr in der Stunde als die in Thüringen – und zudem werden arbeitsrechtliche Standards wie Pausen oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall eingehalten.

Das passiert, weil studentische Jobs arbeitsrechtlich nur wenig abgesichert sind: sie werden weder vom Personalverfassungsgesetz erfasst – die Hochschul-Personalräte sind also für die studentischen Beschäftigten nicht zuständig – noch gilt für sie der Tarifvertrag, den es für alle anderen Beschäftigten an Hochschulen gibt. Aber auch einen eigenen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte, der Arbeitszeit, Bezahlung, Urlaubsregelungen oder auch Abwesenheiten am Arbeitsplatz regeln könnte, gibt es in Thüringen nicht. „So hat hier prekäre Beschäftigung Einzug gehalten: unrechtmäßige Werkverträge werden geschlossen, Krankheitsstunden nachgearbeitet und studentische Beschäftigte verrichten lange nicht mehr nur wissenschaftliche Hilfstätigkeiten.“ sagt Elisabeth Fast, Jugendbildungsreferentin bei der DGB-Jugend in Thüringen.

Kürzlich bekannt geworden ist das Beispiel des CATI-Labors an der FSU Jena, dessen Beschäftigte ihren Unmut über die Arbeitsbedingungen gegenüber dem Betreiber des Labors, dem Institut für Soziologie an der FSU Jena, geäußert haben. Das Institut für Soziologie zeigt in seiner Stellungnahme Verständnis für die Wut der Beschäftigten, kann aber wenig tun: Für die Beschäftigungsverhältnisse ist die Universität bzw. der Freistaat Thüringen zuständig. Dessen aktuelle Landesregierung hat sich zwar in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, einen Tarifvertrag für Hilfskräfte auszuhandeln, geschehen ist hier aber bis dato nichts zur Verbesserung der Arbeitsverhältnisse.

Die Situation im CATI-Labor ist nur ein Beispiel für die Situation studentischer Beschäftigter an Thüringer Hochschulen. Leider beklagen sich die Studierenden viel zu selten. Häufig ist der weitere Studienverlauf vom Wohlwollen der Profs abhängig, die die Jobs vergeben. Die Studierenden sind einzeln am Lehrstuhl tätig und wer einen Job da habe, solle doch froh sein. Prekäre Arbeit an Hochschulen wird von den Studierenden häufig nicht als solche erkannt, weshalb sich viele Studierende vereinzelt mit vergleichbaren Problemen herumschlagen.

„Eine substanzielle Verbesserung, also Mindeststandards und eine Erhöhung der Löhne können nur durch einen Tarifvertrag explizit für die studentischen Beschäftigten an Hochschulen erreicht werden.“ so Fast abschließend.

Die beiden DGB-Gewerkschaften GEW und ver.di rufen deshalb ehemalige, aktuelle und werdende studentische Beschäftigte in ganz Thüringen dazu auf, gemeinsam Missstände anzuprangern, um so ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern und einen Tarifvertrag für alle studentischen Beschäftigten zu erkämpfen. Denn studentische Beschäftigte verdienen mehr als Hauselfen bei Harry Potter, die sich mit Geschenken wie gebrauchten Socken abspeisen lassen.

Hinweis: Für Fragen steht Elisabeth Fast unter 0151 15174783 zur Verfügung.

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