Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 45/14 - 12.01.2015

Fast jedes fünfte Kind wächst im Ilm-Kreis in Armut auf

DGB-Kreisverbandsvorsitzender Peter Hopf fordert Aktionsprogramm für arme Familien

„Die Armut von Kindern wird in Deutschland oft beklagt, aber wenn es darum geht, sie zu bekämpfen, dann wird viel zu wenig getan. Das muss sich ändern“, fordert Peter Hopf, Vorsitzender des DGB Ilm-Kreis, die Politik auf, aktiv zu werden.

Im Ilm-Kreis lebten im August 2.259 Kinder unter 15 Jahren von Hartz-IV und damit in Armut. Dies sind 18,1 Prozent der im Landkreis lebenden unter 15jährigen, also fast ein Fünftel aller Kinder. Damit ist die Hartz-IV-Armut unter Kindern fast doppelt so stark verbreitet wie bei Menschen im Erwerbsalter. Von den erwerbsfähigen Personen sind im Landkreis nämlich „nur“ 9,7 Prozent auf Hartz-IV angewiesen.

Nach zehn Jahren Hartz-IV ist das Niveau der Kinderarmut im Ilm-Kreis anhaltend hoch. Während bei der Einführung 2005 2.763 Kinder im Hilfebezug waren, stieg ihre Zahl auf bis zu 3.152 (März 2007) an und sank anschließend wieder ab. Besonders kritisch ist, dass Kinder meist längerfristig auf Hartz-IV-Niveau leben müssen. Die Armutsforschung zeigt deutlich, dass gerade längere Lebensphasen in Armut bei Kindern deren berufliche und persönliche Chancen im gesamten Leben nachhaltig verringern.

Deshalb fordert der DGB ein Aktionsprogramm gegen Kinder- und Familienarmut. Der Bund sollte die Hälfte seiner Mehreinnahmen infolge der Einführung des Mindestlohns für diesen Zweck aufwenden. Das Aktionsprogramm soll von lokalen Netzwerken, bestehend aus Kommunen, Sozialpartnern, Wohlfahrtsverbänden und Vereinen, umgesetzt werden. Ziel ist, dass kein Kind in einer Familie aufwächst, in der beide Eltern dauerhaft keiner Erwerbstätigkeit nachgehen können, in Maßnahmenschleifen hängen oder das Einkommen nicht zur Existenzsicherung reicht. Alleinerziehenden muss zumindest eine sozialversicherte Teilzeitarbeit ermöglicht werden.

„Niemand darf gezwungen sein, Hartz IV zum dauerhaften ‚Lebensstil´ zu machen oder gar zu vererben. Die Leistungen nach dem SGB II müssen endlich zu dem werden, was ursprünglich intendiert war: Hilfestellungen aus einer Hand zur Überwindung einer vorübergehenden Notlage“, erläutert Peter Hopf abschließend.

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